Landwirtschaft 4.0 in der Tierhaltung – Technologien, Vorteile & Schwachstellen

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft ist in aller Munde und sowohl im Pflanzenbau als auch in den tierhaltenden Betrieben angekommen. Gerade in der Tierhaltung (Digital Animal Farming) ist der Einsatz digitalisierter Technik schon recht häufig anzutreffen, weshalb wir uns im nachfolgenden Artikel auch auf diesen Bereich fokussieren.

Bevor wir Technologien, Vor- und Nachteile näher betrachten, soll uns eine kurze Definition des sogenannten „Digital Farming“ helfen, zu verstehen, was genau hinter dieser Begrifflichkeit steckt:

„Unter Digital Farming wird die konsequente Anwendung der Methoden des sogenannten Precision Farming und Smart Farming […die Optimierung von Wachstumsbedingungen mittels Sensorik und genauer Applikationstechnik und ihre Weiterentwicklung [Anm.d.Aut.]…], die interne und externe Vernetzung des Betriebes und die Nutzung von internetbasierten Datenplattformen samt Big Data Analysen verstanden.“ [1]

 

Mittlerweile gibt es diverse Maschinen, Hard- und Software, die in den Betrieben eingesetzt werden, um Prozesse zu erleichtern. Den unterschiedlichen Bereichen eines Landwirtschaftsbetriebes zugeordnet, haben wir nachfolgend einige zusammengetragen:

 

Bereich „Fütterung“:

  • Futterroboter
  • Futterküche
  • Spezialgeräte zur Trockenmasse-Bestimmung von Silagen[2]
  • Digitale Refraktometer => Bsp.: Qualitätsbestimmung von Biestmilch

Bereich „Stall“:

  • Automatisches Einbringen von Einstreu
  • Automatische Reinigung/Entmistung, Bsp.: Spaltenreiniger, Roboter zum Reinigen von Laufflächen
  • Lüftungssysteme
  • Automatischer Zutrieb

Bereich „Tiergesundheit“:

  • Sensoren, Bsp.: Sensoren in automatischen Melksystemen können anhand der Milchinhaltsstoffe den allgemeinen Gesundheitszustand einer Kuh auswerten
  • Pansensonden

Andere:

  • Automatische Melkmaschinen
  • Melkroboter
  • Herdenmanagementsysteme
  • Automatische Brunsterkennung
  • Automatisierte Tierbeobachtung auf Weiden
  • Roboter zum Umsetzen von Weidezäunen
  • Datenerfassung durch Sensoren in technischen Anlagen als auch am Tier selbst [3],

 

Nachfolgende Grafik zeigt mögliche Vorteile, die sich durch den Einsatz zuvor genannter Technologien ergeben:

 

Grafik Vorteile

 

Daneben zeigen sich auch immer wieder Schwachstellen oder Hemmnisse, die den Einsatz digitaler Technik erschweren können:

Grafik Schwachstellen

 

Nicht zu vergessen sind mögliche Probleme, die nicht nur den einzelnen Betrieb betreffen, sondern allgemeiner Natur sind, wie bspw. der Breitbandausbau oder die Datensicherheit und -hoheit.

 

Insgesamt ist festzustellen, dass durch die Nutzung digitaler Technik Arbeitserleichterungen in der Landwirtschaft Einzug halten. Dementsprechend wird der Beruf „Landwirt“ zukünftig noch flexibler, moderner und vielseitiger werden. Durch den Einsatz von Melk- oder Reinigungsrobotern entfallen bspw. monotone und körperlich sehr anstrengende Arbeiten – Arbeitszeiten können individueller gestaltet werden. Auch das manuelle Füttern ist stark an festgelegte Zeiten gebunden und durch den Faktor Mensch fehlerbehaftet. Ein Futterroboter bringt das Futter gleichmäßig und kontinuierlich aus, was positive Auswirkungen auf das Tierwohl hat und sogar mit einer Leistungssteigerung einhergehen kann. Die Kühe können fressen, wieviel sie wollen, schlafen und zum Melken gehen, wann sie wollen. Letztendlich übernimmt der Landwirt immer mehr eine Kontroll- und Überwachungsfunktion mit flexiblerer Zeiteinteilung. In unserem letzten Artikel zum Personaleinsatz haben wir schon festgestellt, dass gerade die Arbeitszeiten an die speziellen Anforderungen in der Landwirtschaft angepasst werden müssen (bspw. Feiertags- und Wochenendarbeit, Schichtarbeit). Und in Zeiten, in denen die Betriebe in diesem Zusammenhang auch mit dem Thema Personalmangel konfrontiert werden, kann die digitalisierte Technik helfen, diese Engpässe zu überbrücken.  Zu guter Letzt kann durch den Einsatz entsprechender Technologien auch das Verständnis zwischen Endverbraucher und Landwirt einen Schub bekommen, indem mehr Transparenz und ein direkteres Interagieren zwischen beiden Parteien ermöglicht werden.


[2] Elite Frauen, Januar 2020: Technik kann helfen, S. 16