Ein Palast für die Pansenmikroben: die Faser in der Ration-Christinas Blog für Milchviehhalter!

Ohne die vielen kleinen Helferlein wären Eure Kühe ziemlich aufgeschmissen. Denn sie ermöglichen es den Kühen erst, Nahrungsbestandteile, die normalerweise unverdaulich wären, zu verdauen. Wir Menschen haben ein Verdauungssystem, das in dieser Hinsicht weit weniger effektiv ist. Deshalb ist Gras für uns weitestgehend nutzlos. Unsere Kühe verwerten also Futter, das für uns Menschen wertlos ist und produzieren Lebensmittel, die für uns sehr gut verwertbar sind. Dafür bekommen die Kühe von uns ein schönes Dach über dem Kopf, regelmäßig Wellness und leckeres Essen und wir beschützen sie vor Feinden.

Genau so läuft es im Pansen der Kühe und im menschlichen Darm auch ab. Nahrung, die nutzlos für Kuh oder Mensch wäre, wird von Mikroben verdaut und für Kuh und Mensch nutzbar gemacht. Im Gegenzug bekommen die Mikroben einen schön warm temperierten Lebensraum mit Schutz vor Feinden, leckerem Essen und immer gleichmäßigem Wohlfühlklima.

Für die Kühe und Ihre Mikroben spielt die Faser eine ganz zentrale Rolle. Sie gehört zur Fraktion der Kohlenhydrate.  Als Faser werden die schwerverdaulichen oder unverdaulichen Zellwandbestandteile der Pflanzen bezeichnet.

Im Wesentlichen sind das Hemicellulosen, Cellulose und Lignin; zum Teil auch Pektine. Hemicellulose, Cellulose und Lignin werden unter der Abkürzung NDF zusammengefasst (neutrale-Detergenzien-Faser). Als ADF (acid-Detergenzien-Faser) werden die Faserbestandteile, die nach Säureaufschluss und Behandlung mit Kalilauge übrigbleiben, bezeichnet. Die ADF wird anschließend noch einmal mit 72 %iger Schwefelsäure gelöst. Was dann noch übrig bleibt ist ADL, das Roh-Lignin.

Die Faser muss so beschaffen sein, dass sie den Pansenmikroben als Schwimmdecke auf der Pansenflüssigkeit eine Besiedlungsfläche bietet. Wie Zimmer und Räume in einem riesigen Palast. Außerdem müssen genug faserhaltige, piekende Enden von Stroh oder Grasstängeln die Pansenwand massieren, um den Pansen zur Kontraktion anzuregen und den Reflex zum Wiederkauen auszulösen. Das Wiederkauen ist für die Kühe und ihre Mikroben extrem wichtig, denn der Speichel, der beim Wiederkauen gebildet wird, neutralisiert die Pansenflüssigkeit. Ohne diesen würde der Pansen übersäuern und die Mikroben könnten ihre Arbeit nicht mehr verrichten und würden langsam absterben.

Um alle optimal mit Faser versorgen zu können, bedarf es einer Einschätzung der Faser auf ihre Strukturwirksamkeit. Reicht es für eine schöne Schwimmschicht und sind genug Faserbestandteile da, die pieken? Bei Spezialfutter Neuruppin sind wir der Meinung, dass diese Einschätzung neben der Analyse durch ein Labor immer auch visuell erfolgen sollte. Deshalb nehmen wir uns Zeit für Euch, Eure Kühe und kommen zu Euch auf den Hof.

Die Richtwerte liegen für eine gute Maissilage bei 170 bis 220 g Rohfaser pro kg Trockenmasse. NDF sollte in einer Maissilage zwischen 360 g und 460 g pro kg TM liegen. ADF 180 g/kg TM bis 230 g pro kg TM.

Für eine gute Anwelksilage liegen die Richtwerte für Faser zwischen 240 g und 280 g pro kg TM. NDF zwischen 420 g/ kg TM und 500 g / kg TM und ADF zwischen 250 g/kg TM und 300 g/kg TM.

Im Verhältnis zwischen Faser und Energieversorgung liegt die ganz besondere Herausforderung bei der Fütterung unserer Kuh-Athleten.  Denn ADF und NDF werden zwar benötigt, um die Kühe artgerecht zu ernähren, gleichzeitig sinkt jedoch der Energiegehalt im Futter mit steigendem Anteil an Faser. Außerdem ist der Fasergehalt ein begrenzender Faktor bei der Futteraufnahme. In einer Ration für hohe Leistung wird ein Fasergehalt zwischen 160 g und 180 g / kg TM empfohlen.

 

Liebe Grüße

Sendet Euch Christina vom SN-Team